Die Geschichtskurse der Stufe 10 informieren sich über Essener Geschichte und jüdisches Leben

 

Wie fühlt es sich an, mehr als anderthalb Jahrhunderte Stadtgeschichte in wenigen Stunden zu durchwandern? Die Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 10 haben es ausprobiert – bei einer Exkursion, die zwei Essener Erinnerungsorte auf besondere Weise miteinander verband: das Haus der Essener Geschichte und die Alte Synagoge Essen. 

 

Erste Station: Das Haus der Essener Geschichte

Den Auftakt des Besuchs des Geschichtskurses der 10b bildete eine fachkundige Führung durch das Haus der Essener Geschichte. Herr Goriß, der archivpädagogische Mitarbeiter des Archivs, konnte locker und schülerorientiert die Jugendlichen “abholen” und anhand von Dokumenten, Fotografien und Objekten aus der Sammlung, bei uns lag der Schwerpunkt dieses Besuches auf der NS-Zeit, erschloss sich den Schülerinnen und Schülern der Wandel der Stadt vom mittelalterlichen Stiftsort über das Zentrum der Montanindustrie bis zur heutigen Metropole im Ruhrgebiet. Besonders eindrücklich war für viele der Blick ins hauseigene Archiv: Hier lagern Urkunden, Amtsbücher, Pläne und Nachlässe, die als Primärquellen die Grundlage historischer Forschung bilden – ein direkter Kontrast zum sonst im Unterricht meist schon aufbereiteten Schulbuchwissen. Allein der Gedanke, dass alles auf Papier festgehalte wird, ist für heutige, digitale Schüler schon beeindruckend. Die Führung machte deutlich, wie aus vergilbtem Papier und unscheinbaren Akten im Archiv am Ende die große Erzählung einer Stadtgeschichte entsteht. Das 700 Jahre alte Pergament, das die Schüler hautnah erleben durften und ihre Versuche die “alte” Schrift zu lesen, waren mit Sicherheit ein Highlight. Im Anschluss folgte dann die digitale Ralley “Biparcour”, bei der die Schüler selbständig mit ihrem vertrauten Handy per App Geschichte erschließen konnten. 

      
     
     

Zweite Station: Alte Synagoge Essen

Im Anschluss führte der Weg die Gruppe zur Alten Synagoge Essen, einem der bedeutendsten erhaltenen Synagogenbauten Deutschlands und heute Museum sowie Ort der politischen Bildung. Auch hier stand eine Führung auf dem Programm, die den Bogen von der Blütezeit jüdischen Lebens im Ruhrgebiet über die Zerstörung in der NS-Zeit bis zur Erinnerungsarbeit der Gegenwart spannte. Der eindrucksvolle Kuppelbau selbst, die Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte und Kultur sowie die Auseinandersetzung mit den Novemberpogromen 1938 hinterließen bei den Jugendlichen sichtlich Eindruck und regten zu intensiven Nachfragen an.

 

Ein Tag, zwei Perspektiven

Die Kombination beider Orte erwies sich als besonders lehrreich: Während unser Bildungspartner Haus der Essener Geschichte den großen Bogen der Stadtentwicklung und die Arbeit mit historischen Quellen im Archiv greifbar machte, rückte die Alte Synagoge ein zentrales, oft schmerzhaftes Kapitel der Essener und deutschen Geschichte in den Fokus. So verband die Exkursion Stadtgeschichte im Großen mit einem sensiblen Blick auf Erinnerungskultur im Kleinen – und zeigte dem Geschichtskurs, dass Geschichte weit mehr ist als Jahreszahlen im Schulbuch, nämlich Spurensuche in Archiven, Gebäuden und Objekten, die bis heute erzählen.

Der Geschichtskurs bedankt sich bei den Teams beider Häuser für die kompetenten und einfühlsamen Führungen und hofft, dass die Zehntklässler nächstes Schuljahr auch in den Genuss dieser Exkursion kommen. 

Text und Fotos: Dana Deharde

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